Wie überall gibt es auch in Scheessel bei der Verwaltung Licht und Schatten.
Über das Positive muss hier nicht berichtet werden. Die Verwaltung sorgt in der Presse hinreichend für
eine günstige Darstellung der eigenen Arbeit. Dazu ergänzend soll der Bürger hier
über die Dinge informiert werden, die er wissen sollte, aber nicht wissen soll.
Dazu wird der Verwaltungsausschuss benutzt. Dies ist der einzige Ausschuss, der nicht-öffentlich
tagt. Allerdings sind seine Kompetenzen begrenzt. In allen wesentlichen Dingen soll der Gemeinderat entscheiden.
Nur ... der tagt öffentlich. Hier bekommen die Bürger den Austausch der Argumente mit.
Was der Bürger -- aus Sicht der Verwaltung -- nicht wissen soll, muss hier also ferngehalten werden.
Dazu gibt es begrenzte Möglichkeiten. Kommt die Verwaltung beispielsweise mit den
vom Rat freigegebenen Mitteln nicht aus, wird gern die Freigabe weiterer Mittel durch den
Verwaltungsausschuss erwirkt. Beispiele sind die Freigabe solcher Mittel für die
Mensa und für die Sanierung der Grundschule .
Nun gibt es ein neues Beispiel der Verschleierung. In der nicht-öffentlichen Sitzung
des Verwaltungsausschusses am 2.9.2010 soll in die Wege geleitet werden, dass der Gemeinderat die
Bearbeitung bestimmter Bürgeranfragen nicht mehr selbst erledigt, sondern dem
Verwaltungsausschuss überträgt. Damit sollen diese Bürgeranfragen der
Öffentlichkeit entzogen werden. Gleichzeitig soll nicht mehr der Gemeinderat, sondern
der viel kleinere Kreis des Verwaltungsausschusses bestimmen, wie dem Bürger geantwortet werden soll.
Was ist nun der Hintergrund dieses Vorgehens?
Der Verfasser hat am 4.5.2010 dem Rat die Anregung mitgeteilt, das Konzept der Gemeinde
zur zukünftigen Kinderbetreuung in den Kindergärten ins Internet zu stellen,
damit die Büger darüber informiert werden.
Diese Anregung ist mit Bezug auf die Nieders. Gemeindeordnung erfolgt, die bestimmt,
dass dem Bürger eine Antwort zu erteilen ist.
Die Anfrage können Sie hier nachlesen.
Zunächst hat man versucht, die Angelegenheit einfach zu vergessen. Nach einer Mahnung vom
15.6.2010 wurde dem Verfasser mit dieser Antwort mitgeteilt,
dass die Antwort wegen der gerade anstehenden Sommerpause noch etwas dauern würde.
Nun müsste eigentlich im Rat diskutiert und beschlossen werden, ob das
Konzept ins Internet gestellt wird oder nicht. Hätte die Gemeinde ein Konzept,
so wäre dies eine Sache weniger Minuten. Die Bürgermeisterin würde vorschlagen,
die Anregung aufzugreifen, der Rat würde zustimmen. Am nächsten Tag
würde der Bürger eine Antwort erhalten.
Doch wie geht man vor, wenn das Konzept viel zu dürftig ist, um es der Öffentlichkeit
zu zeigen?
Der Verfasser hat das Konzept unter dem Titel
Konzepte der Verwaltung -- mal top, mal flop
als unzureichend dargestellt.
Der Versuch der Verwaltung, die Diskussion über eine Veröffentlichung dieses
sog. Konzepts in die nicht-öffentliche Sitzung des Verwaltungsausschusses zu
verlagern, bestätigt nur, dass das Konzept keine geeignete Basis für die
Entscheidung über die Zukunft der Kindergärten ist.
Nun bleibt abzuwarten, wie der Verwaltungsausschuss am 2.9.2010 bzw. der Gemeinderat
am 9.9.2010 entscheiden werden. Es geht um die Frage
Sollen Bürgeranfragen öffentlich behandelt werden oder nicht.
Bürgermeisterin und etliche Politiker betonen gern, dass sie die Bevölkerung informieren
und einbeziehen wollen.
Die Entscheidung wird zeigen, ob dies ernst gemeint ist.
Ernst Friesecke, Stand 29.8.2010
Nachtrag:
In der Sitzung des Verwaltungsausschusses vom 2.9.2010 hat es um diesen Vorgang
eine heftige Debatte gegeben. Daraufhin ist die Entscheidung vertagt worden. Da
die Bearbeitung der Anfrage auch nicht auf der Tagesordnung der nächsten
Ratssitzung vom 9.9.2010 steht, erfolgt auf absehbare Zeit keine Bearbeitung der Anfrage.
Um die Bearbeitung in vorgeschriebener Weise nun endlich durchzusetzen, habe ich
der Bürgermeisterin mit Schreiben vom 3.9.2010
eine Frist bis zum 4.10.2010 gesetzt.
Ernst Friesecke, Stand 3.9.2010
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